Da nach meinen Erfahrungen aus vorangegangenen China- und Indienreisen Dubai als riesengroßer Sandhaufen, Dauerbaustelle und durch das Fehlen jedweder gewachsenen Kultur nach kurzer Zeit langweilig wird, wollten wir den nur 100 km entfernten Oman besuchen.
Oman ist nicht nur größer, sondern landschaftlich und kulturell mit seinen Städten und Dörfern deutlich reizvoller. Ferner kannte ich vom letzten Jahr Abdullah und konnte in etwa abschätzen, was uns erwartet. Außerdem wollten wir nicht in (teuren) Hotels, sondern an schönen Stellen in Zelten übernachten, d.h. einmal in den Bergen, einmal in der Sandwüste und einmal direkt am Meer. Der Oman gilt übrigens nicht umsonst als die Schweiz des mittleren Ostens.
Nach unserem Frühstück im Burj al Arab sind wir also gegen 13 Uhr losgebraust, um über Abu Dhabi und Al Ain in den Oman einzureisen. Vor uns lag eine Fahrt von ca. 500 km bis in den Wadi Tanuf in den Bergen in der Nähe der alten Haupstadt Nizwa.
Die Fahrtzeit für 500 km auf hervorragend ausgebauten Straßen plus ca. 1 Stunde für den Grenzübergang sollten in 6 - 7 Stunden zu machen sein, d.h. die ursprünglich für 17 Uhr geplante Wiedervereinigung unserer Truppe mit Herrn Büyükyazi hätte spätestens gegen 20 Uhr stattfinden müssen. Der Arme durfte aufgrund von Visa-Bestimmungen nur einmal in Dubai einreisen (also nicht zweimal wie der Rest) und musste deshalb für teures Geld von Dubai nach Muscat weiterfliegen, wo er separat abgeholt und zu unserem ersten Nachtlager gebracht werden sollte.
Lange Rede, kurzer Sinn: wir konnten erst gegen Mitternacht unsere Zelte aufbauen und noch später den im Stundentakt vertrösteten Herrn Büyükyazi wieder in Empfang nehmen. In jedem Oman-Reiseführer steht als Empfehlung, daß man sich von seinen deutschen Zeitvorstellungen verabschieden sollte und das hatten wir jetzt recht anschaulich verstanden. Es stellte sich auch heraus, daß es zuwenig Matrazen und anders als besprochen gar keine Schlafsäcke gab. Das sorgte bei den ziemlich frischen Nachttemperaturen in den Bergen gegenläufig zu unseren Cola-Rum-Mixgetränken für einige Ernüchterung.
Interessant waren auch die Reaktionen derjenigen, die beim Zeltaufbau weitgehend durch Abwesenheit glänzten bzw. sich durch anderweitige Beschäftigung auszeichneten und dann überraschenderweise feststellen durften, daß sie ihr Zelt ohne Matraze und Decke vorfanden. Verfrorenen Naturen half da nur noch das chinesische Zwiebelschalenprinzip, Teilnahme an der Party der Hartgesottenen bis 4 Uhr morgens oder der Umzug in eines der Fahrzeuge.
Und was lernt uns das Ganze abgesehen von den Vorteilen des Mitanpackens?
Zu den abenteuerlichen omanischen Zeitvorstellungen (z.B. 10 min = 1,5 Std., oder 1 Stunde = 2 - 3 Stunden) kommen eine recht schmerzfreie (amerikanische) Einstellung zu Entfernungen sowie ein bemerkenswertes Organisationtalent. Da muß sich die deutsche Wirtschaft bestimmt keine Sorgen machen. Der von uns mit Grausen beobachtete Umgang mit den Fahrzeugen und das zugehörige technische Verständnis lassen den offensichtlichen Wunsch nach regelmäßigem und schnellem Austausch des persönlichen Fuhrparks der Omani erahnen.
Aber all das wird mehr als wettgemacht durch die geradezu umwerfende Herzlichkeit der Omanis, das (Sommer-)Wetter und den geheimnisvollen Reiz dieses Landes. Auch das traditionelle Essen am Abend bestehend aus Reis, Hammel und Hühnchen auf großen Platten serviert und auf dem Boden sitzend mit der rechten (!) Hand gegessen war schon toll.
Wegen der niedrigen Spritpreise (z.B. ca. 90 Liter für 25 Euro) und einem Steuersatz von 0% auf alles kann man im Oman problemlos große Autos mit großen Motoren fahren und unsere CO2-Hysterie wirkt irgendwie (wie schon in Indien) befremdlich. Mein Favorit wären dann ein Landcruiser und eine ältere S-Klasse.
Zurück zum Nachtlager in den Bergen. Am nächsten Morgen wurde es schnell wieder sommerlich warm und nach kurzer Besichtigung des zerstörten >Ortes Tanuf sind wir nach Nizwa zum Frühstück gefahren. Beim anschließenden Stadtrundgang hat sich dann der größere Teil der Truppe typisch omanisch eingekleidet. Herr Büyükyazi ging damit später überall und als einziger problemlos als echter Omani durch, sofern er nichts sagen musste. Ich glaube, wir anderen haben dagegen für erhebliche Heiterkeit in der Öffentlichkeit gesorgt.
Muscat ist eine sehr weitläufige, gepflegte und schöne Stadt, von der wir in der kurzen Zeit leider nur den Souk Mutrah und die Strandpromenade sehen konnten. Das schreit nach einem weiteren Aufenthalt mit mehr Zeit. Wir haben im Souk letzte Einkäufe getätigt (Vorsicht vor dem Kaufrausch!) und unser letztes Abendessen im Oman an der Hafenpromenade genossen.
Ich denke, wir haben in Dubai und im Oman deutlich über 1500 km zurückgelegt und trotz der kurzen Zeit viel gesehen und erlebt und ich bereue keine Minute. Abdullah hat gesagt, dass ich jetzt sein Bruder sei. Wenn ich wie versprochen mit meiner Frau und mehr Zeit wiederkomme, wollen wir gemeinsam reisen und er will dann auch seine Frau mitnehmen. Versprochen!
Vielleicht sehen wir uns auch schon im Sommer in Deutschland. Bis dann, Abdullah.
And if I don´t see you:
good afternoon, good evening and good night.
Horst-G. Lippold
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